Gedichte

Ein paar Gedichte der letzten 30 Jahre.


Blanc comme le vent
Et rouge comme l’amour
Bleu comme la chance
Et vert comme le jour
Voilà les couleurs
Enfermées dans mon cœur
Elles remuent, elles s’agitent
Et elles font mon bonheur

©1988 Wortkauz


I love you
hat er mir gesagt
Est-ce vrai
hab ich ihn gefragt
Ja, mais oui
il m’a répondu
I kissed him
et ça m’a bien plu

©1988 Wortkauz


Dans un pays lointain à des milles d’ici
Régnait un souverain bien-aimé et béni
Il était très, très beau, il avait des trésors
Il avait de l’esprit et des bijoux en or

La tristesse pourtant habitait ses pensées
Maintes fois il avait d’une reine rêvé
Mais hélas, il était seul et abandonné
Nul ni même le fou ne pouvait l’égayer

©1988 Wortkauz


Mein Bild für Robinson (meine Fassung von Saint-John Perses Gedicht „Der Papagei“ in seinen „Bildern für Crusoe“)

Der Papagei

Es ist immer noch derselbe.

Er sitzt auf einem abgeschälten Ast dort wo die blasse Morgensonne durch den fahlen Dunst der Nacht ihre Strahlen sterben läßt. Er hebt ein Lid – er wartet auf dich Robinson gefangen in seiner Freiheit verloren in seiner Heimat – und blinzelt.

Sonne was läßt du ihn leiden? …

Du kommst irgendwann findest ihn grau statt grün dein Blick verschleiert sich wenn er auf sein milchiges Auge trifft. Von seinen Federn rinnt trübes Wasser.

Robinson! Quäl ihn nicht mit deiner Qual. Ein Seufzer ist zu schwer.

©1989 Wortkauz


Bilogie

in allen Ecken
liegen
tote Winkel
in was für
dunkle Kreise
bin ich
nur
geraten?

Hilfe!
Ein roter Riese
Schrie
Der weiße Zwerg
Und lief
Geradewegs
In ein
Schwarzes Loch

©1991 Wortkauz


Wie lang
kann
der Zwilling
zurückgehalten
werden,
auf daß
der
Erstgeborene
der einzige
bliebt?

©1991 Wortkauz


Des Morgen Wahn
Die selge Stunde
Worren ihres Schlafes Kleid
Ruf nächstes Mahn
Des welken Mundes
Täler die ihr Todes Seid!

Hab Schlaf
Des einzgen Mannes Zeugen
Verlorn ob ihrer Werte Mut
Vergiß die leidgen Armes Beugen
Der wahren Ansicht Bares tut

©1992 Wortkauz


Abschied

Du bist nun eingeschlafen
Und lächelst gar nicht mehr
Dein Kopf neigt sich zur Seite
Er war wohl doch zu schwer

Dein Körper baumelt sachte
Im Winde hin und her
Ein stetes stummes Winken
Zum Abschied nicht viel mehr

Zu sehr enttäuscht vom Leben
Gibt es kein‘ Weg zurück
Man wird Dich pflücken morgen
Zerschneiden Deinen Strick

Er wird dort hängen bleiben
In diesem kleinen Park
Und mich daran erinnern
Ich war für Dich zu stark

©2014 Wortkauz


Anagrammgedicht

Der Wellensittich
Der weltlich niest
Der leicht winselt
Der Weichen stillt
Der Teichnest will
Der Schwielen litt

©2016 Wortkauz


Frosch und Kröte

Es waren einmal Frosch und Kröte,
Die liebten sich bei Morgenröte
Der Frosch war dem Orgasmus nah,
Als er in Krötes Augen sah
Sein Spiegelbild zum ersten Mal,
Mit Warzen an dem Kopf so kahl
Seitdem holt er, wenn morgens munter,
Sich lieber selber einen runter

©2017 Wortkauz


Kurzer Liebesrap

Das erste Mal liebten wir uns in einem Kornfeldbett
Das Abendrotkehlchen sang mit der Amsel ein Duett
Wir waren von großen Brombeerheckenschützen umgeben
Und ich spürte die Schicksalsschlagader wieder leben

Als wir aufstanden, umwehten mich die Neurosendüfte
Und sachte schwebte Himmelancholie durch die Lüfte
Mich reizte der blaue Notnagellack an Deinen Zehen
Als Prophetischist konnte ich Dir nicht widerstehen

Ich mag Dein Temperamentholgeschmack, wenn wir uns küssen
Und wenn Du morgen gehst, werd ich Dein Gesicht vermissen
Ich mag Dein Temperamentholgeschmack, wenn wir uns küssen
Und wenn Du morgen gehst, werd ich Dein Gesicht vermissen

©2017 Wortkauz

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